Pressestimmen
zu: “Meister Jodas Ende”

Die Generation der Pflegebedrohten

Die schlechte Nachricht vorweg: Ausverkauft. Auch heute und morgen. Bei Georg Schramm ist das so. Er ist einer der besten, weil schärfsten, politischsten Kabarettisten Deutschlands, hat seine Fernsehauftritte in der ZDF-"Anstalt" aufgegeben, damit er wieder mehr auf der Bühne stehen kann, wo er seinem Publikum in so feinen kleinen Häusern wie dem Freiburger Vorderhaus ganz nahe ist. Am Mittwochabend feierte der 61-Jährige mit seinem neuen Soloprogramm "Meister Yodas Ende" eben dort Premiere – von Freiburg aus gehen Schramms Bühnenfiguren Lothar Dombrowski, Oberstleutnant Sanftleben und der hessische Sozialdemokrat August auf Kabarett-Tournee durch Deutschland.

Doch was heißt hier: Kabarett? Meister Yoda entstammt dem Science-Fiction- Märchen "Star Wars", in dem es um den Kampf der guten gegen die bösen Mächte geht. Die Waffe für den Existenzkampf in fernen Galaxien: Laserschwert. Schramm und sein Regisseur Rainer Pause haben Meister Yoda auf die Erde geholt und ein Volksstück erdacht, weit mehr als die Aneinanderreihung von Kabarettstückchen, das ebenso vom Kampf um Leben und Tod handelt – und als Waffe die Sprache gewählt. Eine Sprache, deren Wirkung ganz außerordentlich ist: Das Publikum lacht, brüllt – und schweigt. Es ist belustigt, berührt – und betroffen.

Der Abend beginnt mit August. Dumm ist er nicht, dieser August, aber seit 40 Jahren Sozialdemokrat. Er kann halt nicht anders, was aber nicht heißt, dass er sich mit Sozialdemokratinnen wie Andrea Nahles abzufinden gedenkt: Die gehöre in den hintersten Winkel eines dunklen Waldes, befindet August, das Schrotgewehr griffbereit auf seinem Schoß. Aber dann kommen August auch andere Gedanken, die Augen glitzern feucht, Worte stocken, Sätze bleiben unvollendet. Denn er sitzt in seinem Schrebergärtchen, nicht weit von der Stelle, wo er gemeinsam mit dem Nachbarn und dem Enkelsohn die Urne der verstorbenen Ehefrau verbuddelt und das Grab so hergerichtet hat, wie "Mutter" das gewollt hätte. Nachdem das Trio sie aus dem Urnenfeld des Hauptfriedhofs ausgebuddelt hatte, versteht sich, denn: "Da darfste ja nix."

In Augusts sechs, sieben Minuten dauerndem Auftritt ist die Dramaturgie des Abends bereits erkennbar: Schramm dirigiert seine Zuhörer durch sich abwechselnde Themenfelder, ein ausgeklügelter Rhythmus bestimmt den Spannungsbogen, der sich mal aus der großen Politik speist, dann wieder um sehr persönliche Anekdoten rankt. Beides ist klug beobachtet, präzise formuliert und herausragend dargestellt.

Perfektioniert hat Georg Schramm dieses Spiel mit seinem ewig schlecht gelaunten Preußen Dombrowski, dessen Brandreden an ihrem missionarischen Eifer manchmal schier zu ersticken drohen – "Merkel und Westerwelle, das sind Furunkel am Gesäß des Bösen!": Heiliger Zorn scheint eine Eigenschaft, ja eine Haltung zu sein, die die Kunstfigur mit dem Kabarettisten teilt. Manchmal, in den besten Momenten, ist dieser Zorn mit Vernunft gepaart. Dombrowski ist es auch, der am offensivsten auf das Publikum zugeht: Er befragt Einzelne ohne Scheu oder Rücksicht zu Kriegserlebnissen oder erinnert die Älteren an ihr bevorstehendes Ableben: "Wir sind eine Generation von Pflegebedrohten". Ob dieser Direktheit vernimmt man ein kollektives Luftanhalten im Zuschauerraum – aber Schramm will niemanden bloßstellen, nur eine Wunde offen legen, von der jeder im Saal weiß, dass sie auch unter seinem Lebenspflaster schwärt.

Was Dombrowski die Themen Alter, Demenz, Pflege, sind Oberstleutnant Senftleben die Politik und das Militär. Jovial und bestgelaunt wendet sich der "Panzermann – für die Frauen" an seine "Landsleute". Der Afghanistankrieg ist sein Anliegen und seine schwindelerregenden Assoziationsketten führen von Ex-Verteidigungsminister Strucks Ausspruch: Deutschland wird am Hindukusch verteidigt über den Taliban-Satz: Afghanistan werde im Sauerland verteidigt bis zu: Schwarz-Gelb könne nur mit Hilfe des Kriegsrechts verteidigt werden…

Gut zwei Stunden dauert es, bis Meister Yodas Ende erreicht ist. Es ist ein bitterer Abgang – vor allem für Dombrowski. August hingegen hat sich eine "solide aggressive Grundstimmung" erarbeitet und beschließt, bei Schlecker Rentnerungehorsam zu betreiben.

Nein, es ist keine schlechte Nachricht, dass die Abende mit Georg Schramm ausverkauft sind. Es ist vielmehr eine sehr gute Nachricht. 

Badische Zeitung, 3. September 2010


Georg Schramm stellt neues Programm im Pantheon vor

Bonn. Irgendwann, so erzählt Lothar Dombrowski, sei ein junger Mann zu ihm gekommen und habe ihn mit Meister Yoda aus "Star Wars" verglichen, der allein kraft seiner Gedanken Dinge bewegen und das Böse abhalten kann.

Das, so fand er, klang doch ganz vielversprechend. Zumal das Alter Ego des Kabarettisten Georg Schramm selbst einer Mission folgt. Doch dann, als er den Film gesehen habe, sei er doch enttäuscht gewesen von dem "Giftzwerg in Mönchkutte" und dessen "schlichten Halbwahrheiten".
Die waren Schramms Sache nie. Und dass er nach seinem Ausbruch aus der ZDF-Fernseh-"Anstalt" das Schwert einstecken würde, stand nicht ernsthaft zu erwarten. "Meister Yodas Ende. Über die Zweckentfremdung der Demenz" heißt sein neues Programm unter Regie von Rainer Pause, das jetzt Vorpremiere im Pantheon-Casino feierte.

Ein doppeltes Experiment an einem möglichen neuen Veranstaltungsort im Keller des Bonn-Centers. Wo gezockt und verloren wurde, bevor es 20 Jahre lang im Dornröschenschlaf versank.
Gezockt haben seither noch ganz andere. Und Schramm zeigt die Folgen dessen auf drastische Weise. Unmittelbar am lebenden Objekt. Das heißt August, ist Sozialdemokrat und darin geradezu rührend naiv.
Wo politisches Kabarett gemeinhin aufhört, um den Rest den Gedanken seiner Zuschauer zu überlassen, geht Schramm ein gutes Stück weiter. Merkel, Westerwelle und Co. sind für ihn letztlich austauschbar. Im Gegensatz zu all denen, die den Freitod dem Altersheim vorziehen würden. Demenz mag mitunter sogar eine Gnade sein. Dieses Programm aber ist ein gnadenloses Meisterstück.

Von Ulrike Strauch
General-Anzeiger Bonn, 30.08.2010

 

zu: “Thomas Bernhard hätte geschossen”

„Was Schramm seinem Publikum hier auftischt, ist so ziemlich das radikalste, aber in seinem argumentativen Aufbau auch brillanteste, das gegenwärtig im politisch motivierten Kabarett zu durchlachen und zu durchleiden ist.“ | Berliner Morgenpost

 

„Georg Schramm, der große Moralist und Humanist, gibt dem Kabarett zurück, was ihm die Comedy gestohlen hat: Brennende Relevanz.“ | Die Welt

 

„Mit dem Dichter Bernhard hat das Programm höchstens soviel zu tun, als dass Schramms Text von dem gleichen Zorn, der gleichen Schärfe, ähnlicher Wortgewalt und inhaltlicher Konsequenz diktiert ist...
In seiner Radikalität ist Georg Schramm derzeit wohl kaum zu überbieten. Streng im ersten Teil, pointenreich im zweiten. Politisches Kabarett in Vollendung: aggressiv, aufklärerisch, wütend. Zum Totlachen.“ | Merkur online

 

„Die gnadenlose Schärfe des Sozialportraits liegt in seiner genau recherchierten Ähnlichkeit mit der Wirklichkeit. Zynisch ist nicht der Satiriker, sondern die Gesellschaft. Er bringt nur den Alltagswahnsinn auf den logischen Punkt. Und das kann zur Zeit keiner brillanter und böser als Georg Schramm" | Abendzeitung München

 

„Georg Schramm ist derzeit der Hengst unter den Spaßmacherpferden. Keiner hat soviel Mumm in der Jackentasche. Keiner hat soviel Fraktur in der Schnauze, was Missstand und Unfug deutscher Republik angeht. Und er hat noch das, was man seinen doch etwas smart gewordenen Kollegen wünschen möchte: Heiligen Zorn.“ | Mittelbayerische Zeitung

 

Pressestimmen
zu: “Mephistos Faust”

„Es gibt in Deutschland kaum eine handvoll Kabarettisten seiner Klasse. Sein offenes Geheimnis liegt in der kompromisslosen Haltung zu dem was er tut. Schramm will nicht einfach geistreich und witzig sein, er badet nicht selbstgefällig im Lachen des Publikums. Schramm ist kein kalter Zyniker, ihn treibt heiliger Zorn. Das macht seine Figuren so überzeugend.” | Berliner Zeitung

 

„Man braucht hier gar nicht drum herum zu reden, der Mann hat – augenöffnende – Klasse. Bei Schramm geht es nicht um Gequatsche, sondern um Darstellung. Die Wahrheit liegt auf dem Platz, und so inszeniert er politisches Kabarett als Pièce de résistance, als Figurentheater, bestürzend intelligent und gefühlsecht.“ | Bonner Generalanzeiger

 

„So einen Abend nennt man wohl historisch... Politisches Kabarett von dieser Präzision ist in jeder Hinsicht ein Ereignis.“ | Neue Zürcher Zeitung

 

„Georg Schramm wird seinem Ruf, einer der kompromisslosesten Satiriker des deutsch- sprachigen Kabaretts zu sein, nachhaltig gerecht. Aus den unterschiedlichsten Perspektiven beleuchtet und illustriert er hintergründig und hinterhältig, pointiert und scharfsinnig die gesellschaftlichen und politischen Zustände... Mit Liebe zum Detail und großem Verständnis für menschliche Wesenszüge schlüpft er in die unterschiedlichsten  Rollen. Seine Bühnen- figuren sind keine billigen Karikaturen, sondern entlarvende Charakterstudien.“ | Wiener Standard

 

„Schramm macht politisches Kabarett, wie es politischer nicht sein kann... Er fängt da an, wo alle Politik endet, im Denken der Menschen, in ihren Köpfen, bei denen, die ganz unten sind oder auch weiter oben. Mit ihnen kennt er kein Mitleid, also auch nicht mit jenen, denen sie geglaubt haben, den Politikern. Die aber nennt Schramm nicht beim Namen, er führt nur die Folgen von Politik vor und das macht ihn so politisch.
Es gibt nichts Besseres  und es gibt keinen besseren Schauspieler in diesem Genre.” | Hamburger Abendblatt

 

„Wenn es stimmt, was George Tabori sagt, daß jeder Witz eine menschliche Katastrophe birgt, ist jeder Lachende ein Schuldiger, Georg Schramm ein Teufel in Person. Gemäß dem Motto "Freut euch des Bösen" stellt freilich keiner so dramatisch die Gretchenfrage allen guten Geschmacks in der Kunst: Worüber eigentlich darf noch gelacht werden? Dies heraus- zufinden, Schadenfreude auszukosten oder sein schlechtes Gewissen zu fühlen, war die Chance des Abends. Mit seinen rabenschwarzen Pointen zwingt Schramm den Betrachter zur Nabelschau, formt seine Figuren zu perfekten Charakterstudien." | Bonner Rundschau

 

„Georg Schramm ist ein Glücksfall für das deutsche Kabarett.“ | Dresdner Neueste Nachrichten

 

„Mit seiner überragenden Bühnenpräsenz und der dramaturgisch geschickten Verknüpfung der Figuren macht Georg Schramm aus der Unzulänglichkeit der Welt zugleich ein sinnlich- theatralisches Ereignis.“ | Zürcher Tages Anzeiger

 

„Was in Realität Angst verbreitet, wird plötzlich zum Witz. Zu einem Witz allerdings, der die Wirklichkeit nicht kaschiert, sondern sie in ihrer Furchtbarkeit aus der Versenkung holt, ins Groteske befördert.” | Südkurier

 

„Schramm sucht das Politische im Privaten, dort, wo es seine dunkelsten Ecken und schmerz- haftesten Untiefen hat... Mit phänomenaler Bühnenpräsenz zelebriert er das, mit sicherem Zugriff auf das Hässliche und Enge im kleinen Mann, mit besonderer Lust an Charakterstudien der widerlichen Art und einem schauspielerischen Potenzial, das unerschöpflich scheint.“ | Wiesbadener Kurier

 

„Es ist wie ein Rausch. Es ist finster, zynisch, brutal und erschreckend. Wenn Kabarett das leisten kann, ist es noch lange nicht tot. Und vor allem: Noch lange politisch.“ | Badische Neueste Nachrichten

 

„Er ist momentan der größte Fels, die granitene Antithese des politischen Kabaretts in der Brandung seichter Comedy, ein hoher Schutzwall, über den die Exponenten der Spaßge- sellschaft nicht hinweg kommen... Es gibt Pointen Dauerfeuer, das Zwerchfell kommt nicht zur Ruhe, aber auch der geistige Verdauungsapparat ist ständig gereizt, den ernsten Hintergrund jeder Pointe von der Heiterkeit auslösenden Oberfläche zu trennen...“  | Passauer Neue Nachrichten

 

„Georg Schramm – ein scharfer Wortklauberer, der mit Fug und Recht zu den Stars im exklusiven Zirkel des Polit-Kabaretts gezählt wird.“ | Bonner Rundschau

 

Und die Süddeutsche Zeitung schreibt zur letzten Sendung des “Scheibenwischers” mit Dieter Hildebrandt am 2. Oktober 2003:

„Am Ende war es ein einziges alttestamentarisches Donnergrollen. Ein fulminantes Solo des vortrefflichsten unter allen möglichen Hildebrandt-Nachfolgern: Georg Schramm. Es war eine wütende Abrechnung mit den „politischen Hampelmännern, die uns Demokratie vorspielen dürfen.“... Da war das ohnehin schon beachtliche Scheibenwischer-Finale an seinem Höhepunkt angelangt.“